Delhi – Die Ankunft

First things first: 

Auf dem Weg nach Australien sollte es einen Zwischenstop geben. Eigentlich sollte es Bangkok sein.
Dort war aber gerade „Jahrhundert“ Monsun so das selbst Bangkok davon schwamm und so schaute ich mich erneut um nach einer Alternative. Ehrlicher weise muss ich gestehen das der Zwischenstopp in Bangkok in erster Linie eine Preis Entscheidung war und in zweiter Linie dann das Asien-Fieber bei mir Ausbrach. 

Somit war also auch die erneute Suche nach einem Zwischenstopp hauptsächlich vom günstigen Preis getrieben und erst in zweiter Linie von Exotic und anderen Gründen. 

Es kristallisierte sich dann nach vielem Gebastel an Flugrouten in den üblichen Onlineportalen eine günstige Route TXL – DEL – MUM – SIN – Perth heraus.
Je länger ich mit der Idee liebäugelte um so mehr machte sich die Vorfreude auf Indien breit. 

Die Variante nach Delhi zu fliegen und dann mit dem Nachtzug nach Bombay zu fahren hatte 2 Entscheidende Vorteile, erstens war sie mit umgerechnet 12€ eine extrem günstige Art 1200 Km zu überbrücken und je mehr ich an Videos sah und Berichte las, umso mehr entbrannte die Vorfreude auf eine hoffentlich unvergessliche Zugfahrt.  

Hinzukam das ich vorher noch nie Nachtzug gefahren war. Win Win also. 

Anreise 13.12. 23:00 

Um bei der Wahrheit zu bleiben bin ich völlig unorganisiert und chaotisch in den Urlaub gestartet. 

Dazu gehörte eine relativ verwüstete Wohnung in einen Zustand zu bringen der es der Tiersitterin ermöglicht für die nächsten 8 Wochen auf die Katzen aufzupassen als auch nicht völlig als „Assi“ dazustehen wenn sie das aerste mal die Tür aufschließt. 

So habe ich also bis 15:00 gearbeitet, bin dann nachhause gefahren um Aufzuräumen und aber eigentlich auch noch zu packen und so diese und jene Infos aus der Wochenlangen Recherche noch zu ordnen. 

Am Ende habe ich bis morgens um 4:00 noch gewirbelt und dabei eingepackt. 

Habe noch schnell mein Hostel in Delhi online reserviert und mir noch kurz angeschaut wie man mit dem ÖPNV Bus nach Pahar Ganj kommt. 

Um 5:30 kam dann auch pünktlich mein Taxi zum Flughafen und los geht das Abenteuer. 

Wer wenig schläft braucht sich den dann auch nicht wundern wenn er beim Check-In durchhängt, hat aber den Vorteil das man 11h economy wie im Schlaf überbrückt ohne sich der Probleme der gepflegten Legebatteriehaltung annehmen zu müßen. 

 

Ziemlich gerädert bin ich also gegen 23:00 in Delhi gelandet. 

Freudig Richtung Abenteuer, und das sollte dann auch gleich richtig zum Aufschlag ansetzen. 

 

Den ersten Geldautomaten gefunden *check*. 

Der gab Banknoten in der Stückelung von Monatsgehältern raus, und es war schon in diesem Moment klar, das wird bestimmt lustig.
Als würde man am Späti sagen, 2 Bier, mach 5€ drauß. Hier sind 500€ 

Raus aus dem Flughafen und auch beim ersten Umschauen direkt Busse gefunden, auf dem Weg zum Bus alle möglichen Taxi Fahrer abgehängt. -Heldenhaft, es fängt gut an denke ich mir. #vollmotiviert 

Wir erinnern uns kurz, ich hatte alles online rausgesucht, und nicht aufgeschrieben. Kann man sich ja merken! -NICHT 

Und es kommt noch dicker, Busnummern auf Hindi ;o)
Und keine pläne.  

Du fragst 5 Inder. Jeder kennt mindestens einen der mir helfen kann, also könnte wenn, und …… aber welchen bus ich nehmen soll ?? 

Später werde ich feststellen das ich die 20€ für den Lonely Planet nicht hätte sparen sollen. Nach viel Fragerei offeriert mir dann jemand den „mini-bus“ zu nehmen, hört sich gut an, den Taxis soll man ja meiden. Abzocke, sie wissen schon. 

Zwischendrin frage ich mich ob ich mit der Adresse besser zum Ziel gekommen wäre? So blieb ja immer nur „Pahar Ganj, Hostel New King, near New Delhi Railway Station!“. 

Und mit dieser Beschreibung fing das Problem erst richtig an den jeder Fahrer diese Nacht erklärt mir das es New Delhi Railway Station genau 5 mal gebe. Und wollen dann natürlich hilfsbereit wie sie sind einen Freund ansteuern der helfen kann. 

Nun ja, ich denke an die vielen Beiträge im Netz. Den daran kann ich mich sehr deutlich erinnern, in der Nähe meines Hostel an besagtem Bahnhof ist ein Foreign Tourist Office wo ich später meine Bahnkarten holen möchte (Anmerkung „Das“ offizielle Bahnbüro). 

Ich probiere also mal einen ganz cleveren Trick. Ich erzähle ein Freund würde mich an der Tourist Office abholen.

Auf der Fahrt dort hin fragt er noch zig mal nach meinem Freund. Er versucht seine Provision zu retten und die Geschichte zu enttarnen, es kommt mir teilweise wie ein verhör vor ;o). Und er warnt mich unentwegt ständig  davor im dunkeln umherzulaufen, überall Verbrecher! 

Letzt endlich bringt mich der Fahrer zu einem „Tourist Office“. Natürlich *Trommelwirbel* *tätäträtätä. Nicht an einem Bahnhof. Nicht das Offizielle. Nein, ein privates „Tourist Office“. Was sonst.
Am ende fast verständlich, vermutlich der Laden wo er am meisten Provision für die , ähmmm, *hüstel*, Vermittlung eines Kunden bekommt. 

 

„Tourist Office“ I: 

Ich werde freundlich empfangen aber es wird sofort mit dem Verhör begonnen. Ich werde minutenlang gelöchert, wann, wie, wo ich gebucht hätte….
Ich beharre auf meiner Geschichte „Mein Freund holt mich ab, Rest ist auch gebucht…“ und will also zur Railway Tourist Office. Es ist mittlerweile irgendwas nach 0:00

Der Taxifahrer ist schwerstens beleidigt als er merkt das es heute wohl keine Provision geben wird und will also schnellstens weg und das ich die Rechnung bezahle. 

Ich zücke also siegessicher meinen 500 rupees Schein. Angeblich, und ich glaube es im Prinzip sogar, kann er nicht wechseln. Unwillig wechselt dann jemand vom Tourist Office den Schein. Beim ersten rausgehen hatte der Taxi Fahrer mit einem lächeln meine Sonnenbrille, die ich Lässig wie ein Expeditionsleiter auf dem Kopf trug abgezockt. Ich sagte noch, wenn Du mit dem Wechselgeld wieder reinkommst bringste die mit.  

Naja, er kam ohne Wechselgeld und auch ohne Sonnenbrille wieder rein, das Wechseln machte ja das Office dann.

Das die Sonnenbrille weg ist fällt mir aber erst ein als ich schon im 2. Taxi sitze. Verlust 1€ da vom Berliner 1€ Shop, Victory! Mich zockt keiner ab ;o) 

Als kurze Erinnerung die 1. Fahrt zum eigentlichen ziel die im „Tourist Office“ geendet hat kostete 100 rupees. 

Glücklicherweise stand vor dem Tourist Office ein TukTuk.
Es ging dann also im Tuk Tuk weiter, das Personal im Tourist Office war maulig aber mir doch egal.  

Der TukTuk Fahrer sagte mir freudestrahlend, „New Delhi Railway Station, Yes Sir! Tourist Office, Yes Sir!“ 

Die fahrt dahin sollte 50 rupees kosten. Vom Gefühl her waren wir schon ziemlich in der City, daher kamen mir die 50 rupes viel vor. Aber , ok welche Wahl hat man schon. 

 Während der ersten taxifahrt vielen mir schon die vielen „Obdachlosen“ am Strassenrand mit ihren kleinen Feuerchen auf. Dazu leere neblige Straßen, gespenstisch! 

Ich werde mich später noch öfter auf einen Film beziehen. Black Hawk Down. Denn hatte ich kurz vor der Abfahrt gesehen. Natürlich in groß und laut. Aber die leeren Straßen mit vereinzelten obdachlosen, da war schon große Ähnlichkeit.  

Hatte die ganze Zeit die Filmmusik im Ohr und Tukkerte also so durch die Straßen Delhis. 

 

„Tourist Office“ II: 

Er weiß wohin ich muss, naja, gelandet bin ich wieder in einem, nicht dem meinen, Tourist Office. Hier war die Gangart schon heftiger. Die hatten wohl ihre Touriquote noch nicht voll. Man fragte mich wo ich den reserviert hätte. Ich sagte „Hostel New King. Central Railway Station…“
Die Herren erklärten mir dann „Is holidays in there, for 3 days! all streets closed! Sir“. Ich fragte daraufhin dann „ok, wie kommen dann die Leute in ihr Hotel?“ 1:0 für mich, aber auch nur 10 Sekunden, die Blutgrätsche wurde nicht so einfach hingenommen. Letztendlich suchte jemand das Hotel raus und ich bekam den Telefonhörer in die Hand gedrückt. „no we are closed“ ok, haha. 1:1, guter Trick! Ich hatte ja nicht ganze 24h vorher noch online reserviert und eine E-Mail bekommen.
Daraufhin ein mitleidiges Grinsen und sofort das Angebot, ein sehr gutes Hotel in Aggra! Von meinem Onkel! Wir machen gute Preis, nur 150 usd/Nacht. 

Und dann ging die Rheumadeckenmasche los, ein Büro voller Männer die einem erzählen es gäbe nur noch was in Aggra. Hier in de nähe nur 4-5 sterne 2-300 usd /Nacht.  

 Ok, ich weigere mich freundlich aber bestimmt und verlasse unter viel Fragerei das Büro.
So ca. 2m vor der Tür wandeln sich die Fragen aus dem Tourist Office in Flüche,….
Das rumsitzen vor dem Office sei aber nicht gestattet!!!
Nicht das ich da rumhänge!

Nun war ich also draußen allerdings noch ohne plan. Man gab mir noch , „geh halt da die Straße runter“ mit. Das tat ich dann auch, im Dunkeln, mittlerweile ca 1:00, gefühlt fast morgens.
Glücklicherweise habe ich dann doch noch sehr schnell ein tuktuk aufgetan. 

Die letzte taxifhart waren 50 rupees vereinbart, er konnte aber, ohhh wunder den 100er nicht wechseln, geschenkt, nen 1€ Trinkgeld.
Ich hatte noch einen Euro in der Hosentasche, Auf den Deal mit dem 1euro stück wollte er sich nicht einlassen (50 rupees zu dem zeitpunkkt 1,25euro). Aufgrund der feindseligen Stimmung habe ich die 100 bezahlt und gut.
Besser als wegen 2,50 euro in „Bokina Fasso“ in der nacht aufgemischt zu werden.
Mit dem 2. Tuktuk 30 rupee vereinbart. Vorher einen Festpreis zu vereinbaren hatte ich so aus den Online Reiseführern. 

Funktioniert, allerdings sollte man Kleingeld haben ;o) 

Wir fuhren also nach Pahar Ganj. Auf der Suche nach meinem Hostel New King, er war tatsächlich bemüht. Und mit Pahar Ganj konnte er auch was anfangen.
Los ging es also mit seinen weisen Worten: „Put your bags please inside“.  

Und wie ich im Nachhinein weiß haben wir auch in der richtigen Gegend gesucht. er hielt ein paar mal an und fragte sich durch. Und er fand dann auch das Hostel New King. Zwar anders als auf den Bildern im netz, aber genauso günstig und vermutlich doch auch genau das was ich da online reserviert hatte. Die Suche nach dem Heiligen Gral war also erstmal vorbei.
Wobei, nach dem ganzen hassle also ins Hotel rein, dem Tuktuk 100 rupeen gegeben. Hat er sich verdient. 

Dann war der Mann hinter dem Tressen dermassen freundlich. Ein Sikh, „Luckily you found us“… zum check in noch schnell meinen Reispass zum kopieren gegeben und schon verschwindet er im Hinterzimmer.
Hmmmmm, wenn das mal kein Fehler war!!! In meinen völlig übermüdeten Ohren klingelt es „Gib NIEMALS deinen Reisepass aus den Händen“.
Aber nach 2 Min ist er wieder da und mein Reisepass auch, puhhh!
Die übertrieben extreme Freundlichkeit machte einen nach den Erlebnissen der letzten Stunden erst mal stutzig, aber alles gut ;o)  

So bin ich dann doch noch gegen 2:30 ins Bett
Schäbig? nein! Einfach aber keine Mitbewohner.
Ich schlafe zufrieden ein.
Über das Schließsystem später mehr.
Letztendlich hat die letzte tuktuk fahrt 100rup gekostet, 80 vereinbart, aber  

„but i brought you here…“ 

100rupees, hat eh kein Wechselgeld und ich bin daa!!!

gute Nacht ;o)